Wer meine unterschiedlichen Testberichte in meinem Blog gelesen hat, weiß, dass ich das Konzept spiegelloser, kleiner Systemkameras toll finde. Ich war seit dem Umstieg auf Digitalkameras mit keiner einzigen digitalen Kompaktkamera wirklich glücklich. Die Erlösung kam erst, als Olympus seine E-P1 vorstellte. Der verhältnismäßig große Micro Four Thirds Sensor lieferte eine im Vergleich zu Kompaktkameras hervorragende Bildqualität. Weiter gesteigert wurde das spiegellose Fotovergnügen mit Sensoren im APS-C-Format, die in Sony, Samsung, Ricoh und Leica-Modellen zu finden waren.
Gespannt warteten viele Menschen auf etwaige Modelle von Canon oder Nikon. Im September 2011 stellte Nikon schließlich sien erstes spiegelloses Kamerasystem vor: Nikon 1. Zwei Kameras kamen simultan auf den Markt, die günstige J1 und die etwas teurere V1 mit elektronischem Sucher, Magnesiumgehäuse und einigen anderen Verbesserungen gegenüber der J1.
Ganz ehrlich: ich war enttäuscht. Die Kameras waren und sind zwar vollgepackt mit technologischen Raffinessen. Aber im Inneren arbeitet ein Sensor, der kleiner ist, als Micro Four Thirds und dadurch kein gutes Rauschverhalten versprach. Zudem ist die Tiefenschärfe bei kleinen Sensoren größer. So kann – insbesondere mit den vorgestellten Objektiven – kaum freigestellt werden.
Es brauchte einige Zeit, bis ich den Schock überwunden hatte, dass sich Nikon mit einer solchen Klein-Sensorkamera die spiegellose Blöße gibt, dass ich erst im Jänner dieses Jahres erstmals zu einer Testkamera griff.
Ich erspare euch den wissenschaftliche Test und zeige lieber, was aus Nikons 1en rauszuholen ist.
Wer schnell wissen will, was die Kameras gut und schlecht machen – hier meine persönlichen Ergebnisse aus einem normalen Fotografen-Alltag auf einen Blick:
Super ist:
- Ich habe sowohl die J1 wie auch die V1 getestet und beide haben fotografisch Spaß gemacht, das heißt, ich habe sie gerne in die Hand genommen und abgedrückt.
- Die J1 hatte ich in silber und nach ca. 650 Aufnahmen hatte der Lack schon einige Schönheitsfehler durch Fingernagelkratzer. Ich empfehle hier also entweder auf dunkle Modelle oder auf die viel wertigere V1 zurückzugreifen.
- Der Autofokus der beiden Kameras ist ein riesen Spaß. Er ist schnell und arbeitet sehr exakt.
- Die Belichtungsmessung arbeitet ausgezeichnet, teilweise besser, als ich es von DSLR-Kameras gewohnt bin.
- Die JPG-Qualität ist hervorragend mit tollen Farben.
- Das Rauschen bei höheren ISO-Werten ist geringer als gedacht.
- Mit Nikons FT1 Objektivadapter für herkömmliche Nikon DSLR-Objektive erschließt sich mit den 1en eine ungeahnte Tele-Welt.
Nicht so super ist:
- Der kleine Sensor, da kaum freigestellt werden kann. Da bräuchte es hochlichtstarke Objektive, um für ausreichend Unschärfe im Vorder- oder Hintergrund zu sorgen. Wriklich funktionieren tut dies nur im Tele-Bereich mit lichtstarken AF-Objektiven.
- Es fehlt ein klassischer Blitzschuh, um herkömmliche Blitze an den 1en verwenden zu können (die J1 hat zwar einen eingebauten Blitz, verzichtet dafür aber gänzlich auf einen Blitzschuh für externe Blitze).
- Auch wenn das Rauschen bei höheren ISO-Werten nicht so schlimm ist, wie gedacht, so geht doch der Dynamikumfang zurück. Die 1en sind (insbesondere auch mit den im Moment erhältlichen Objektiven) keine wirklichen Available Light Kameras.
Im Folgenden möchte ich euch einige Fotos zeigen, die mit den 1en entstanden sind. Alle Bilder wurden in RAW aufgenommen und in Lightroom 3 bzw. 4 bearbeitet. Folgende Objektive habe ich an den 1en verwendet:
- Nikon 1, 10/2.8
- Nikon 1, 10-30/3.5-5.6 VR
- Nikon AF-D 35/2 mittels FT1 Adapter (kein Autofokus)
- Nikon Micro AF-G 40/2.8 mittels FT1 Adapter
- Nikon AF-G 50/1.8 mittels FT1 Adapter
- Nikon AF 85/1.8 mittels FT1 Adapter (kein Autofokus)
- Nikon AF-D 80-200/2.8 ED mittels FT1 Adapter (kein Autofokus)
Richtig Spaß hatte ich mit dem günstigen und exzellenten Nikon AF-G 50/1.8, das bei einem Verlängerungsfaktor von 2,7 zu einem 135mm-Objektiv mit Lichtstärke 1.8 wird. Der AF funktioniert über den FT1-Adapter ausreichend schnell und freistellen funktioniert ausgesprochen gut.
Nun aber zu den Bildern (ab dem roten Kamin-Foto sind alle mit dem Nikon FT1-Adapter gemacht):


















































































